Hier geht’s zum
Ettlinger Halbmarathon

HM Ettlingen korr-20

12. Graubünden Marathon (28. Juni 2014)

Der härteste Bergmarathon der Welt (Bericht von Eveline Walter)

„Brutal“. So lautete kurz, aber sehr treffend der Kommentar einer Läuferin im Ziel auf 2.865 Metern Höhe. In der Tat, der Graubünden Marathon ist ein Hammerlauf mit über 2.682 Höhenmetern: von Chur über den bekannten Skiort Lenzerheide auf das Rothorn, so formelhaft verknappt könnte man den Lauf skizzieren, doch das wäre in der Tat sehr, sehr kurz gegriffen. Denn der Graubünden Marathon ist auch für versierte Bergläufer kein Pappenstiel. Deshalb trägt er den Beinamen „härtester Bergmarathon der Welt“. Und für all jene, die die Königsdisziplin nicht laufen möchten, gibt es die 20 Miles (30 Kilometer), einen Halbmarathon und den „kurzen“ Rothorn Run von 11 Kilometern und 1.400 Höhenmetern.

Über dem Lauf stand in diesem Jahr ein guter Stern, denn am Start schien die Sonne auf die älteste Stadt der Schweiz und dies bedeutet, die Strecke musste nicht wegen Schlechtwetter verkürzt werden und der Schnee hatte sich auch schon sehr zurückgezogen in den vergangenen Wochen, wobei einen Tag später die Strecke bis oben zum Rothorn wegen Schneefall geschlossen wurde.

Einige Frauen und Männer säumten am Samstagmorgen beim Start die Straße von Chur, um uns Läufern auf dem Weg nach oben Mut zuzusprechen. Bereits drei Kilometer später war es vorbei mit dem Einlaufen und die ersten „netten“ Steigungen erwarteten einen von Passugg nach Churwalden und Foppa, um sich dann bei den kommenden 400 Höhenmetern bergab scheinbar zu erholen.

Der Weg zur Lenzerheide führt durch herrlich blühende Wiesenlandschaften, die Berge im Gegenlicht erschienen gleich einem dunklen Scherenschnitt, der in sattgrünen sanften Hängen endete. Von weitem leuchtete der Heidsee als silberglänzende Fläche, und manch einer beneidete die Angler um ihr so geruhsames Hobby. Während die Elite dafür wohl kein Auge haben darf, genossen die „langsameren“ Läufer diesen Seelenbalsam. In Lenzerheide war dann das Büfett gedeckt, von Bouillon bis Cola, um dann mit der Bergwanderung zu beginnen oder seine Beine hochzulegen. Denn nach 30 Kilometern und über 1.200 Höhenmetern kann man sich entscheiden, ob man sich der Herausforderung stellt und weiterläuft oder ob man genug für heute hat. Nicht genug hatten 234 Männer und Frauen, die bis zum elf Kilometer entfernten Rothorn wollten und dabei über 1.600 Höhenmeter unter ihre Sohlen nehmen mussten und die waren „brutal“. Es ging über steile Wurzelwege und kleine steinige Trails in Richtung Mittelstation Scharmoin. Doch diese schmalen Wege sind das Salz in der Suppe, sie motivieren die Beine, wieder das Laufen zu versuchen. Die ersten zartblühenden Alpenrosen zeigten sich am Berghang, strahlend violett-blaue Bergveilchen leuchteten aus dem grünen Untergrund entgegen und immer wieder hörte man die Glocken von den Kühen auf den Hochweiden.

Die frische Brise bei Scharmoin sorgte für die richtige „Einstellung“ hinauf aufs Rothorn, das zum Greifen nah schien, aber der Weg sollte uns in weiten Serpentinen um das Felsmassiv auf Schotterwegen durch eine wüstenhafte Landschaft führen. Im Gegensatz zu uns Läufern bedurften die Helfer sicher am Abend eines warmen Bades. Sie harrten bei mehr als frischem Wind und niedrigen Temperaturen und leichtem Nieselregen aus, bis der letzte sich hinaufgeschraubt hatte und sie hatten stets noch ein aufmunterndes Wort auf den Lippen. Und wer sich Zeit beim Laufen ließ, hatte in der Tat mehr vom Lauf. Denn Murmeltiere tummelten sich auf den Wegen und Gemsen ließen sich kurz auf den steilsten Stellen fotogen blicken.

Streckendienst und medizinisches Personal sorgten für ein gutes Sicherheitsgefühl gerade auf den letzten drei Kilometern, die nicht enden wollten, hinzu kamen schwere dunkle Wolken, die zunächst nicht sehr vertrauenserweckend aussahen. Doch das Glück ist ab und an auf der Seite des Tüchtigen und die Wolken suchten sich einen anderen Berg und so konnte man noch einen Blick auf den Piz Bianco erhaschen, während man ein „Schokolädle“ mit auf den Weg bekam. „Das gibt dir Kraft für die letzten Meter“. Mein Gott, wie lange können 500 Meter sein, dabei ist das Rothorn zum Spucken nah.

Und dann tatsächlich sieht man den Zielkanal und mit einem herzlichen Willkommen wird man begrüßt, in eine Decke gehüllt, von Mitläufern umarmt, um ganz still das Erreichte und dieses unvergleichliche, sagenhafte, berauschende Panorama zu genießen – mit trockenen Kleidern bis zur letztmöglichen Gondel. Es ist ein Hammerlauf, der aber sehr viel zurückgibt.

196 Männer und 39 Frauen kamen nach 42,097 Kilometern oben auf dem Rothorn an.

Vom Lauftreff nahm am 12. Graubünden Marathon Eveline Walter teil, sie benötigte 7:44 Std.und kam in der Altersklasse W 50 auf Platz 88.

Graubündenscharm

Eveline Walter auf der Strecke

Heidsee Graubünden-30

Der Heidsee bei Lenzerheide

Fotos 2016

A-Liechtenstein-mini-2

Fotos 2014

Jungfrau 2014

Fotos 2015

LT-2

Impressum