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Trans Alpine Run 2010 – Ein Bericht von Nicola Wahl

Das lange Warten hatte am 4. September  2010 ein Ende – wir standen in Ruhpolding an der Startlinie und ersehnten den Startschuss zum 6. Trans Alpine Run. In 8 Tagen galt es 305 Kilometer, 13500 Höhenmeter bergauf wie bergab und 12 Berge zu schaffen. Wir,  Kathrin Litterst und Nicola Wahl (Team NiKa), hatten uns vorgenommen, das Ziel in Sexten/Südtirol zu erreichen.


1. Etappe: Ruhpolding – St. Ulrich am Pillersee: 36,3 km, 1223 Höhenmeter,
Laufzeit: 5:24 Std., Rang: 13. Team W


Mit uns standen 272 weitere Teams, darunter 16 Frauenteams, am Start.  Zum Auftakt unseres ersten Tages regnete es ausgiebig. Zum Glück hörte der Regen bald auf, dafür überquerten wir extrem matschige Wiesen und rutschige Bretter, die als Wanderweg über Sumpfwiesen führten. So erreichten wir bereits auf österreichischem Boden den Scheibenberg mit dem Dreiländereck Bayern-Salzburg-Tirol. Über Skiwiesen ging es nun steil bergauf zur Kammerköhralm, mit 1580 m unser heutiger höchster Punkt. Danach folgte ein ebenso steiler Abstieg bis nach St. Ulrich am Pillersee, unserem ersten Etappenziel. Das abendliche Programm bestand aus der Pasta-Party, der Siegerehrung der Etappenersten und einer kurzen Streckenbesprechung des nächsten Tages. Zum Abschluss gab es eine kleine Diashow mit Bildern des Tages wie auch das Video des Tages.

 

TAR 1. Tag-30

1. Tag: Bei der zweiten Verpflegungsstelle an der Kammerköhralm (1580 m)

2. Etappe: St. Ulrich am Pillersee – Kitzbühel: 33,2 km, 1810 Höhenmeter,
Laufzeit 5:50 Std., Rang: 11. Team W


Am zweiten Tag sollte unser Etappenziel Kitzbühel sein. Doch erst einmal lagen noch zwei schwere Anstiege vor uns. Da der Aufstieg zum 1678 m hohen Kirchberg über einen engen, steilen und anspruchsvollen Gebirgspfad führte, starteten wir heute aus drei Startblöcken mit je 5 Minuten Abstand heraus, die aus den Zeiten des ersten Tages ermittelt wurden. Wir folgten dem Verlauf des Gebirgsbaches durch das Kalktal, bis sich kurz unterhalb des Kirchberges der Blick auf die Kitzbüheler Alpen eröffnete. Doch wir näherten uns nur sehr langsam, da der Weg sich vorbei an Almen hinab ins Tal nach Mühlbach schlängelte.
 Immer das Kitzbüheler Horn vor Augen, stiegen wir nun langsam über das Reisenbergköpfl hinauf bis zur Hornköpflhütte (1736 m). Das waren in nur 11 Kilometer immerhin mehr als 1000 Höhenmeter. Bevor wir jedoch den Abstieg nach Kitzbühel antraten, stärkten wir uns an einer Verpflegungsstelle am Alpenhaus Kitzbüheler Horn. Nun mussten wir in nur 7 Kilometer einen Höhenunterschied vom etwa 1000 m bis Kitzbühel überwinden. Unser zweiter Tag war geschafft, doch in den folgenden zwei Tagen kamen die wirklich alpinen Bergetappen.

TAR 2. Tag-30

2. Tag: Aufstieg zum Kitzbüheler Horn

3. Etappe: Kitzbühel – Neukirchen am Großvenediger: 46,9 km, 2252 Hm,
Laufzeit: 8:23 Std., Rang: 8. Team W


Der dritte Tag versprach uns viele Kilometer, aber auch viele Höhenmeter. Von Kitzbühel ging es in knapp 47 Kilometern und etwa 2250 Höhenmetern nach Neukirchen am Großvenediger. Aufgrund schlechten Wetters in der vorigen Woche mussten wir auf über 2000 m mit Schneefeldern rechnen. Gleich zu Beginn ging es auch steil bergauf, natürlich über die Wiesen der bekannten Skirennpiste Hahnenkamm, um dann an der ersten Verpflegung an der Streiteggalm vorbei auf den 1938 m hohen Pengelstein, alles noch zum Skigebiet Hahnenkamm zählend, aufzusteigen. Auch heute standen  zwei Berge auf unserem Plan. Zuvor jedoch mussten wir an der Rettensteinalm vorbei, um von 1430 m über das Stangenjoch und das etwas höher liegende Schöntaljoch hinaufzusteigen. Entlang der Bergflanke des Großen Rettensteins liefen wir nun durch eine rutschige Spur durch Schneefelder oder landeten in knöcheltiefem Matsch. Hier mussten wir sehr vorsichtig laufen, da jeder Fehltritt sehr viel Kraft kostete.

Im stetigen Bergauf und Bergab hatten wir nur noch den Wildkogel mit 2186 m , das Skigebiet oberhalb von Neukirchen, vor Augen. Unsere Anstrengungen bis dahin wurden mit einer einzigartigen Aussicht auf die Venedigergruppe belohnt. Allerdings wartete das Besondere der heutigen Tour noch auf uns. Wir durften auf den letzten Abschnitt des Tages eine der schönsten Downhill-Abfahrten, den Wildkogeltrail, laufen. Diese Moutainbikestrecke begann beim Wildkogelhaus und fiel über etwa 10 km etwa 1200 Höhenmeter steil bergab. Hier mussten wir unsere Kräfte gut einteilen, denn wir hatten bereits 37 km in den Beinen und vor uns lagen noch weitere 5 Tage bis nach Sexten.

TAR 3. Tag-30

3. Tag:  Kurz vor dem Wildkogeltrail

4. Etappe: Neukirchen am Großvenediger – Prettau im Ahrntal: 43,9 km, 1967 Hm,
Laufzeit: 7:48 Std., Rang: 9. Team W

Auch der vierte Tag hatte zwei  Besonderheiten: die Krimmler Wasserfälle und die Birnlücke, mit 2669 m die höchste Erhebung des diesjährigen Trans Alpine Runs, aber auch fast 44 Kilometer und knapp 2000 m im Anstieg. Die ersten 10 km ging es entlang der Straße, bis wir auf den Wanderweg zur Mautstelle Krimmler Wasserfälle gelangten. Ab hier ging es nun in engen steilen Kurven entlang der Wasserfälle, bis wir nach 23 Kilometern das Krimmler Tauernhaus (Nationalpark Hohe Tauern), unseren zweiten Verpflegungspunkt, erreichten. Endlose Weiden mit Kühen wiesen uns den Weg durchs Krimmler Achental  bis zum Talende. Dort begann dann nach fast 30 Kilometer der eigentliche Anstieg zur Birnlücke, die auch den Übergang von der Nord- auf die Südseite der Alpen bildet.

Der Pfad bestand nun größtenteils aus losen Steinen und großen Felsstufen und wand sich in engen Serpentinen  über nur 2,5 km und 800 Höhenmeter hinauf, leider gefolgt von tiefhängenden Wolken und später einsetzendem Regen und kaltem Wind. Zusätzlich wurde unser Tempo auch deutlich langsamer, da wir durch bis zu 50 cm tiefen Schnee stapften. Lange verweilten wir uns nicht auf der Birnlücke bei diesen unwirtlichen Bedingungen. So konnten wir auch die angeblich herrliche Aussicht ins vor uns liegende Ahrntal des schlechten Wetters wegen nicht genießen. Zu allererst freuten wir uns auf etwas angenehmere Temperaturen weiter unten im Tal. Jedoch war der Abstieg mit 6 km und 800 Höhenmetern nicht weniger anstrengend. Er bestand aus glitschigen Steinplatten, rutschigen Schneefeldern und Matsch. So freuten wir uns auf warme Duschen in Prettau im Ahrntal.

TAR 4. Tag

4. Tag:
Im Nebel an der
Birnlücke (2669 m)

5. Etappe: Prettau im Ahrntal – Sand in Taufers: 29,4 km, 1503 Hm,
Laufzeit: 6:49 Std., Rang: 8. Team W

Der heutige Tag sollte mit knapp 30 km eigentlich die kürzeste Etappe werden, doch beim vorabendlichen Briefing erfuhren wir, dass aufgrund eines Erdrutsches eine Umleitung von 5 km und 300 Höhenmetern mehr zu laufen sei. Nach ausgiebigem Regen in der Nacht war es beim Start zum Glück trocken, aber recht kühl. Der Aufstieg zur zweithöchsten Erhebung des Trans Alpine Runs, der Bretterscharte mit 2537 m, hatte glücklicherweise nur wenige Schneefelder. In 10 km mussten wir etwas mehr als 1000 Höhenmeter auf breiten Forstwegen, aber auch auf einspurigen Pfaden überwinden. Leider war es  an jenem Morgen sehr nebelig, so dass wir das Ahrntal und die umliegenden Berge nicht sehen konnten. Auf dem Abstieg nach Maria Rein folgten wir größtenteils dem Reintal-Höhenweg, bis wir bei km 17 an der Kirche Rein unseren zweiten Verpflegungspunkt erreichten. Nun folgte erneut ein steiler Anstieg mit den angekündigten 300 Höhenmetern und 5 Kilometern mehr. Abermals ging es endlos steil bis zum Parkplatz  Toblburg hinunter. Von hier aus folgten wir dem Wasserfallweg entlang der Reintal-Wasserfälle, bis wir nach etwa 34 km in Sand in Taufers eintrafen.

TAR 5. Tag-30

5. Tag: Aufstieg auf die Bretterscharte (2537 m)

6. Etappe: Sand in Taufers – St. Vigil: 39,7 km. 1512 Hm,
Laufzeit: 5:52 Std., Rang: 7. Team W

Nach einer Nacht mit starken Gewittern starteten wir wieder einmal bei trübem, aber trockenem Wetter. Wir verließen Sand im Taufers mit der imposanten Burg und folgten dem Radweg, wenig spektakulär, durch das Tauferer Tal bis nach Bruneck, am Fuß des Skigebietes Kronplatz. Nach etwa 20 Kilometern wechselten wir auf einen Wanderweg hinauf nach Reischach, unserer zweiten Verpflegungsstelle.

Nun begann der heutige Aufstieg auf den 2175 m hohen Kronplatz. In etwa 10 km mussten wir mehr als 1300 Höhenmeter überwinden. Wir kreuzten dabei mehrmals die Piste der schwarzen Hernegg-Abfahrt. Hinter der Mittelstation der Kronplatz-Umlaufgondel querten wir die ebenfalls schwarze Silvester-Skiabfahrt in steilen, engen Serpentinen. Nun konnten wir die alte Bergstation am Gipfel des Kronplatzes erblicken, doch noch mehr als 200 Höhenmeter trennten uns vom höchsten Punkt. Die letzten Höhenmeter folgten einem steilen Gebirgspfad mit einem herrlichen Blick auf die Dolomiten. Nun mussten wir nur noch das Gipfelplateau überqueren, um dann über eine weitere Skipiste querfeldein zum Furkelpass hinunterzulaufen. Nach dem Pass folgten wir angenehm abfallenden Wald- und Wiesenwegen und erreichten nach knapp 40 Kilometern St. Vigil. Im Ziel konnten wir heute die warmen Sonnenstrahlen und die Leckereien genießen, die uns angeboten wurden.

TAR 6. Tag-30

6. Tag:
Auf dem Kronplatz-
gipfel (2275 m)

7. Etappe: St. Vigil – Niederdorf im Pustertal: 42,195 km, 1963 Hm,
Laufzeit: 7:06 Std., Rang: 7. Team W

Unglaublich, aber wahr. Wir hatten nur noch zwei Etappen vor uns, die heutige mit Marathondistanz und fast 2000 Höhenmetern. Die ersten 13 Kilometer führten von St. Vigil durch das Tamerstal nach Pederü, ein leicht ansteigender, aber wunderschöner Wurzel- und Waldweg. Die Morgensonne strahlte die Gipfel der umliegenden Berge an. Nach der ersten Verpflegungsstelle am Rifugio Pederü erwartete uns abermals ein extrem steiler Anstieg über etwa 4 Kilometer und mehr als 800 Höhenmeter. Unsere Strapazen wurden mit gigantischen Ausblicke auf die um uns liegende Bergwelt belohnt. Vorbei an der Senneshütte und über grüne Wiesen ging es nun immer weiter hinauf bis zur Forcella Sora Forno mit 2380 m unterhalb des Seekofels.

Nachdem wir unseren heutigen höchsten Punkt überschritten hatten, folgte unsere Strecke der Alta Via Dolomiti (Dolomiten-Höhenweg) Nr. 1 hinab zum Pragser Wildsee. Doch gleich zu Anfang des Abstiegs mussten wir über steile,mit Seilen gesicherte Felsen klettern und kurz darauf liefen wir in engen steilen Serpentinen über losen Schotter bis hinunter ans Ufer des Pragser Wildsees (1493m). Doch nicht genug, denn es folgte heute auch noch ein zweiter steiler Anstieg auf den 2194 m hohen Weißlahnsattel. Dieses Mal mussten wir über knapp 4 Kilometer etwa 700 Höhenmeter überwinden und genauso steil wieder runter. Der Weg nach Niederdorf im Pustertal  war wie unser erster Abstieg geprägt von engen Serpentinen und viel Geröll. Die letzten 5 Kilometer der heutigen Etappe ging es fast eben übers freie Feld bis nach Niederdorf.

TAR 7.Tag-30

7. Tag: Aufstieg zum Weißlahnsattel

8. Etappe: Niederdorf im Pustertal – Sexten: 33,4 km, 1269 Hm,
Laufzeit: 4:47 Std., Rang: 7. Team W

Nun brach unser letzter Tag an. Was hatten wir schon hinter uns! Wie haben wir das gemeistert? Heute liefen wir an einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Dolomiten, den Drei Zinnen, vorbei. Und das Wetter versprach beste Bedingungen, um diese einzigartige Bergwelt in vollen Zügen genießen zu können. Doch zuerst liefen wir über Radwege, vorbei am Toblacher See ins Tal zum Hotel Drei-Zinnen-Blick. Wieder einmal querten wir Kuhweiden und mussten mit den Kühen ins Tal galoppieren. Nicht ganz einfach, da die Kühe auch plötzlich in den Wald abbogen und uns Läufern den Weg abschnitten. Um die Kuhweiden zu verlassen, blieb uns keine andere Wahl, als über das verschlossene Gatter zu klettern. An den vorigen Tagen waren  wir über im Boden eingelassene Weideroste balanciert.

Nach der Verpflegung am Dreizinnenblick stiegen wir in nur 7 Kilometern durch das Rienztal auf die 2405 m hoch liegende Dreizinnenhütte auf (Höhendifferenz 1000 m).  Bald eröffnete sich der Blick auf die Drei Zinnen in voller Größe und Schönheit. Da mussten Kathrin und ich einfach die Aussicht auf das Wahrzeichen der Dolomiten genießen und ein paar Erinnerungsfotos machen… Nach der Dreizinnenhütte führten unsere letzten Kilometer der Via Alpina folgend auf einem felsigen Gebirgspfad hinab zur 1548 m hoch gelegenen Talschlusshütte. Eigentlich kein Problem, wenn wir nicht ständig entgegenkommenden Wanderern hätten ausweichen müssen. Da waren diese 5 Kilometer und knapp 900 m Abstieg doch eine gewaltige Kraftanstrengung. An der Talschlusshütte war dann noch eine Verpflegungsstelle aufgebaut, bevor wir die letzten 7 Kilometer durch das Fischleintal antraten. Die Strecke führte an malerischen Wiesen mit grünen Lärchenbäumen vorbei und war ein würdiger Abschluss für die bis dahin gelaufenen mehr als 300 Kilometer. Die Stimmung war etwas wehmütig und zugleich war die Freude groß, dass wir es als Team bis nach Sexten geschafft hatten. So konnten wir diesen Zieleinlauf ganz besonders feiern.

TAR 8. Tag-30

Im Ziel erwarteten uns bereits viele Finisher des Trans Alpine Runs und beglückwünschten uns. Wir verweilten dort und genossen die einzigartige Atmosphäre. Nun war es geschafft – wir konnten es kaum glauben.  Von Ruhpolding nach Sexten waren wir 8 Tage unterwegs und hatten 305 Kilometer und 13500 Höhenmeter mit 12 Bergen gemeistert. Wir waren 52 Stunden und 3 Minuten unterwegs und erreichten den 7. Platz in der Frauenwertung. Bei den Frauen sind insgesamt 16 Teams gestartet und 9 in Sexten angekommen. Von den insgesamt 273 Teams kamen zwei Drittel der Teams nach 8 Tagen in Sexten an (182 Teams), 16 Teams haben unterwegs ganz aufgegeben und 75 Läufer mussten sich auf der Strecke anderen Teams anschließen, da sich ihr Teampartner verletzte und aussteigen musste.

Der abendliche Ausklang der achttägigen Reise über die Alpen wurde mit einer Finisherparty, der Siegerehrung und der Übergabe der Finsher-Shirts abgerundet. Und zum Ausklang des Abends tanzten wir ausgelassen in der aufgebauten Disco. Nach einer kurzen Nacht stiegen wir bereits um 8 Uhr früh in den Bus nach Ruhpolding, um dort in unserem Auto die Heimfahrt anzutreten.

Fotos 2016

A-Liechtenstein-mini-2

Fotos 2014

Jungfrau 2014

Fotos 2015

LT-2

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